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Im Mai 2009 habe ich mein Medizinstudium mit dem mündlichen und schriftlichen Staatsexamen abgeschlossen.

Seit 26.10.2009 bin ich in Deutschland approbierter Arzt. War eine komische Situation: Man darf 200,50 Euro bezahlen, um das nutzlose Papier zu kaufen, danach springt die bis dahin immer mißtrauische und zugeknöpfte Verwaltungsangestellte plötzlich auf und gratuliert mir förmlich - wozu? Zum gelungenen Einkauf? Absurd...

Seit Februar 2010 bin ich nun auch in Finnland approbierter Arzt. Die hohen Verwaltungskosten in Deutschland relativieren sich - hier kostet es 304,25 Euro, daß man als Arzt arbeiten darf. Aber auf den peinlichen Händedruck wird wenigstens verzichtet...

Vom 1.4.-31.5.2010 habe in der Radiologie des Universitätskranken- hauses Oulu als "Amanuenssi" (Praktikant) gearbeitet. Hier habe ich gelernt, mich auf Finnisch zu verständigen (zumindest ein Anfang ist gemacht), Ultraschall-Untersuchungen durchzuführen, Krankengeschichten auf Finnisch zu lesen und noch etwas mehr...  Außerdem habe ich Arbeitsweise und Gesundheitswesen besser kennengelernt. Ein Praktikum (Famulatur oder PJ-Tertial) in Finnland ist sehr zu empfehlen, die Kollegen sprechen sehr gut englisch und oft auch deutsch, außerdem ist man als Deutscher in Finnland willkommener als in vielen anderen Ländern. Last but not least: Die Bezahlung ist mehr als ausreichend.

















Bild:
Hafen von Kemi


Da es in Finnland nahezu unmöglich ist, ohne Berufserfahrung an der Universitätsklinik anzufangen, habe ich zunächst etwas unwillig am 19.7. am Zentralkrankenhaus in Kemi in Merilappi (See-Lappland, d.h. Ostsee) angefangen, als Assistenzarzt ("Erikoistuva lääkäri") zu arbeiten. Die tägliche Reise von 100 km ist doch etwas lang. Die radiologische Abteilung ist sehr familiär (5-6 Ärzte, ca. 15-20 Pfleger). Bei einer Wochenarbeitszeit von 38,25 Stunden bleibt auch noch Zeit für andere Dinge, allerdings sind inzwischen radiologische Bereitschaftsdienste von ca. 40-60h/Monat dazugekommen.

Die Ausbildung hier ist für uns Deutsche etwas gewöhnungsbedürftig, sehr praktisch orientiert, Fortbildungsveranstaltungen der Abteilung i.e.S. gibt es fast gar nicht, allerdings Videokonferenzen mit dem Universitätsspital. Andererseits darf bzw. muß man relativ schnell alles mögliche praktische tun, im allgemeinen sind Konsultationen bei Unklarheiten auch sehr erwünscht. In zunehmendem Maße - anfangs noch durch die Sprachkentnisse limitiert - kann ich an externen Fortbildungen teilnehmen. Letztlich war ich sehr gern in Kemi und habe meinen Vertrag mehrmals verlängert.

Von 2012 bis 2014 war ich an der Radiologie der Universitätsklinik Oulu angestellt. Die tägliche Arbeit war angenehm, auch findet man hier viele gut ausgebildete Kollegen, die man oft und gern konsultieren kann. Neu sind regelmäßige interne Weiterbildungen und exorbitant gute Möglichkeiten zu externen Weiterbildungen, so konnte ich an Weiterbildungen in interventioneller, allgemeiner, muskuloskeletaler, Thorax- und Neuroradiologie in Oulu, Kuopio, Tampere und Helsinki teilnehmen, im März 2013 durfte ich zum Jahres-kongress der Europäischen Gesellschaft für Radiologie nach Wien fahren.
Die Abteilung ist recht groß, und in viele Unterabteilungen (z.B. Neuro-, Kinder-, interventionelle und muskuloskeletale Radiologie) gegliedert. Als Assistenzarzt rotiert man regelmäßig monatlich auf eine neue Abteilung, außerdem haben wir ca. 30-50 Stunden zusätzlich zur normalen Arbeitszeit Spät- und Nachtdienste, die auch mitunter recht anspruchsvoll sind. Freitzeitausgleich ist im allgemeinen kein Problem, die gute Bezahlung der Dienste tröstet ein wenig, wenn es mal nicht klappt.

Die Arbeit in der Radiologie umfaßt Ultraschall-Diagnostik und CT-, Röntgendurchleuchtung- und US-gestützte Interventionen (diagnostische und therapeutische Punktionen von Flüssigkeitsansammlungen aller Art, Kalkpunktion der Schulter, Fein- und Dicknadelbiopsien verdächtiger Herde von Kopf bis Fuß). Zusätzlich bestimmen Planung und Befundung von Computertomographie- und Magnetresonsanztomografie-Untersuchungen und die Befundung konventioneller Röntgenbilder den Alltag auch im Dienst. Verschiedene Untersuchungen und Interventionen mit Röntgen-Durchleuchtung wie z.B. Ösophagus-Breischluck oder Zyst-uretrographie, Nephrostomien, Cholezystostomien, Angiographien, Ballon-Dilatationen und Stentimplantationen habe ich auch selbständig oder unter Anleitung durchgeführt.

Ich habe die thüringische Landesärztekammer kontaktiert, wie eine Anrechnung der hier geleisteten Arbeit funktioniert. Das ist so aufwändig und kompliziert, auch teuer, daß es wohl einfacher ist, die komplette Facharztausbildung hier abzuschließen, dann gibts weniger Papierkram... Werbung sieht anders aus. Habe hier einen Kollegen getroffen, der durch Anerkennungprobleme eine deutlich längere Weiterbildungszeit in Anspruch nehmen durfte und klar von einem Wechsel abgeraten hat... naja, auf ein Jahr mehr oder weniger kommts sowieso nicht an ;-)
Vor ein paar Jahren hat man mir empfohlen, in der LÄK Mitgleid zu bleiben, weil dann die Anrechnung unkompliziert sei und auch Vorabauskünfte bestellt werden könnten. Das kann ich bis jetzt nicht bestätigen.

Nach Abschluß der Ausbildung an der Universitätsklinik ging es erneut nach Kemi, zunächst zurück in die radiologische Abteilung. Im Februar 2015 habe ich die Letzte von drei Prüfungen zum Facharzt abgeschlossen. Von Mai bis Juli 2015 hbe ich auf der Station für Lungenkrankheiten am Zentralkrankenhaus Kemi gearbeitet. Nach 4,5 Jahren Radiologie nun erstmals seit dem PJ wieder klinische Arbeit, eine anspruchsvolle Umstellung. Im Grunde war es eher ein Praktikum. Seit September 2015 war ich für 9 Monate in der Allgemeinmedizin am Gesundheitszentrum (quasi MVZ) der Stadt Kemi, gewissermaßen als Krönung der Facharztausbildung. Hier profitierte ich sehr von dem vorhergehenden Praktikum. In den Sprechstunden betreute ich hauptsächlich chronisch kranke Patienten (vor allem Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma).

Die nachfolgende Liste soll zeigen, was man so alles zu tun hat, wenn man sich längere Zeit in einem fremden Land aufhält. Man muss sich vorstellen, dass man alle Verhandlungen jeweils in der Landessprache zu führen hat. Da kann schon die Anmeldung bei der Einwohnermeldebehörde zum tagesfüllenden Ereignis werden, von der Steuererklärung ganz zu schweigen...

In naher Zukunft zu erledigen:
(Anerkennung der in Finnland erfolgten Ausbildung in Deutschland)Erwerb einer/eines Eigentumswohnung/-haus

In Arbeit:
Subspezialisierung in muskuloskeletaler Radiologie

Geschafft:
Führungszeugnis und Gesundheitszeugnis besorgt
deutsche Approbation abgeholt
Papiere kopiert und Beglaubigungen (pro Blatt 6 Euro...) gekauft
Das Gesundheitsministeriums bestätigt, daß ich eine EU-konforme Ausbildung habe (kostenlos!), dieses Originaldokument aber benötigt zusätzlich erneut eine Beglaubigung ("Apostille"), die besagt, dass das vorgelegte Dokument vorgelegt wurde und der Text darauf steht, der draufsteht...es lebe das vereinte Europa!
Bei Landesärztekammer angemeldet
Bei Versorgungswerk prophylaktisch angemeldet
Wohnung in Oulu gefunden, bezogen und eingerichtet
Bewerbungen abgeschickt
Pässe erneuert
Papiere sind übersetzt - Dank an Håkan
Finnische Approbation erhalten (noch etwas teurer als die deutsche)
Sprachkurs abgeschlossen, Zeugnis erhalten
Praktikumsplatz in der Radiologie 1.4.-31.5.2010
An der Universität für Facharztweiterbildung eingeschrieben
Stelle in Kemi als Assistenzarzt (2010-2012)
Beim Finanzamt angemeldet und Steuerkarte abgeholt
Beim Magistrat angemeldet
Anmeldung bei der finnischen staatlichen Sozialversicherung Kela; Abmeldung bei Krankenkasse und Künstlersozialkasse in Deutschland.
Zimmer in Kemi gemietet
Winterreifen fürs Auto gekauft ;-) und elektrische Standheizung für den Motor, damit man auch bei -35°C das Auto noch anbekommt
3 x in Oulu umgezogen
Neues Auto gebraucht gekauft und importiert (Zoll), neues Auto zum finnischen TÜV, Autoimportzoll ca. 1.900 Euro bezahlt (für ein 8 Jahre altes Auto...). Auch für das neue Auto braucht man wieder frisches Winter-Öl, Motorheizung und Spike-Reifen. Altes Auto entsorgt.
Erste finnische Steuererklärung 2011
Mitgliedschaft in der finnischen Ärztegewekschaft
Eine Bewerbung ;-)
Arbeitszeugnis bestellt und erhalten
Anstellung Universitätsklinik Oulu (2012-2014)
ECR-Kongreß 2013 in Wien
Prüfung zu Strahlenschutz und  Bildgebungsphysik bestanden (quasi 1/3 der Prüfungen für den Facharzt)
Dissertation wurde von der medizinischen Fakultät der Universität Jena angenommen.
Schriftliche Facharzprüfung Radiologie ist komplett (2/3; Theorieteil, sog. Essay-prüfung oder eben 'esseetentti' und jetzt auch 3/3 'kuvatentti' zu deutsch Bildprüfung) bestanden
Arbeitszeugnis bestellt und erhalten
Dissertation ist verteidigt und veröffentlicht, das Promotionsverfahren erfolgreich abgeschlossen 04/2015
3 Monate Pneumologie am Zentralkrankenhaus Kemi 05-07/2015
Kurs 'Personalführung' als Bestandteil der FA-Ausbildung
9 Monate Dienst im Gesundheitszentrum Kemi (Allgemeinmedizin) seit 09/2015
Arbeitszeugnis bestellt und erhalten
Beantragen des Facharztzeugnisses bei der Universität Oulu unter Beifügung aller Nachweise über die absolvierten Aus- und Weiterbildungen (dicker Brief)
Facharztzeugnis der Universität Oulu erhalten
Registrierung als Facharzt bei der staatlichen Kontrollbehörde Valvira beantragt
Offizielle Anerkennung des Facharzttitels (Valvira), auch wieder gegen eine recht stattliche Gebühr... wer sich wohl die Preise ausdenkt?
Bewerbung um eine Festanstellung
Ärztliches Zeugnis darüber erhalten, ob es sich lohnt, mich fest anzustellen
Fürderhin als festangestellter Radiologe am Zentralkrankenhaus Kemi tätig, Arbeitsvertrag erhalten
Die mittlerweile 5. Steuererklärung gemacht. Inzwischen kenne ich mich ganz gut damit aus, zum Glück ist es einfacher als in Deutschland
Inzwischen wurde das Krankenhaus Kemi privatisiert und die Festanstellung ist nur noch bis 2020 gültig
Erste Erfahrungen als Patient in Finnland
Registrierung für die Weiterbildung in muskuloskelettaler Radiologie (Universität Oulu)
Abschluß der Ausbildung in Allgemeinmedizin (Yleeislääketieteen erityiskoulutus)
Missglückter Kauf eines Einfamilienhauses